Der Dalai Lama ist jeder Person bereits ein Begriff. Weitaus unbekannter ist der meist als zweitwichtigste religiöse Figur des tibetischen Buddhismus betrachtete Panchen Lama, der eigentlich Panchen Rinpoche betitelt wird. Sein Name bedeutet aus dem tibetischen übersetzt “großes Gelehrtenjuwel” und deutet darauf hin, dass er ein einflussreicher, spiritueller Lehrer ist. Er entstammt wie der Dalai Lama auch der Gelug-Schule, die jüngste der vier Hauptschulen des Buddhismus im Tibet.
Panchen Lama als einer von etwa 1000 Tulkus
Der Panchen Lama ist für den Buddhismus vor allem durch sein Rolle bei der Bestimmung des Dalai Lama wichtig. Er ist einer der etwa 1000 Tulkus, die eine tibetisch-mongolisch-chinesische Besonderheit im Buddhismus sind. Man versteht darunter einen buddhistischen Meister, den dafür bevollmächtigte als die Wiedergeburt eines frühren Meisters erkannt haben. Diese Meister haben sich entschieden wieder als gewöhnliches menschliches Wesen auf die Welt zu kehren, obgleich sie durch ihre Erleuchtung den Kreislauf der Wiedergeburt hätten verlassen können. Selbst der Dalai Lama ist einer der zahlreichen Tulkus, er zählt als Verkörperung des Bodhisattva Avalokiteshvara. Tulku ist man bereits von Geburt an und wir meist durch einen oder mehrere Lamas identifiziert und anerkannt.
Als ein Wesen, dass bewusst wiedergeboren wurde, um den fühlenden Wesen (Menschen) zu helfen, zählt der Panchen Lama als Reinkarnation des Buddha Amitabha (Budda des unermesslichen Lichtes). Zu seinen Aufgaben zählt insbesondere die Ausbildung der Dalai Lamas als dessen Lehrer. Dies begründet auch sein hohes ansehen in der tibetischen Kultur.
Panchen Lama als Lehrer des Dalai Lama
Die “Institution” des Panchen Lamas entstand im 17. Jahrhundert und kann auf Ngawang Lobsang Choegyen, den 5. Dalai Lama zurückgeführt werden. Dieser erkannte nach dem Tod seines Lehrers dessen Bedeutung und stellte fest, dass dieser als Reinkarnation des Buddha Amitabha dessen religöses Wirken fortsetzte. Sein Lehrer trug den Namen Lobsang Choekyi Gyaltsen und hatte bereits den 4. Dalai Lama auf dessen Weg begleitet. Neben Lobsang Choekyi Gyaltsen wurden drei weitere Gelehrte in der Vergangenheit des Tibets als Reinkarnationen anerkannt und als die ersten vier Panchen Lamas anerkannt.
Seit dieser Zeit wird nach dem Tod des bisherigen Panchen Lama die neue Reinkarnation gesucht und eingesetzt. Bislang gab es zehn Panchen Lamas, mit dem aktuell elften Panchen Lama begann die akutelle Kontroverse. Über Jahrhunderte hinweg beeinflussten sich der Dalai Lama und der Panchen Lama hinweg stark. So sind sie zunächst an der Identifizierung und Anerkennung des jeweils anderen beteilig. Weiterhin tritt der ältere der beiden jeweils als Tutor des jüngeren auf.
Panchen Lama als jüngster politischer Gefangener der Welt
Der 11. Panchen Lama wurde am 14. Mai 1995 im Alter von 6 Jahren durch den derzeitigen 14. Dalai Lama anerkannt. Dem ging eine erfolgreiche Suche nach diesem vorraus, die Gêdün Qoigyi Nyima als den richtigen erkannte. Der Dalai Lama führte die Suche mit der Unterstützung eines dafür eingerichteten Kommittes durch, deren Vorgehen im Internet nachzulesen ist. Der Dalai Lama berichtet, dass der Junge bereits beim ersten Besuch sie ohne Aufregung und Angst begrüßte als sei er ein alter Freund. Obgleich die chinesische Regierung die Arbeit des Suchteams inklusive dessen Kontakt mit dem im Exil befindlichen Dalai Lama billigte, erkennt sie den 11. Panchen Lama nicht an - vermutlich auch, da der Dalai Lama ohne Absprache mit Ihnen Gêdün Qoigyi Nyima bestimmte.
Nach drei Tagen wurde der junge Panchen Lama und seine Familie von chinesischen Sicherheitskräften entführt. Zunächst wurde dies nicht von der chienesischen Regierung bestätigt, nach einem Jahr jedoch gestand diese ein, damit in Verbindung zu stehen. Man habe den Knaben, wie von den Eltern erbeten, in seine Obhut genommen, denn “er liefe sonst Gefahr, von Separatisten gekidnappt zu werden” was seine Sicherheit bedrohen würde. Bis heute gilt er als jüngster politischer Gefangener der Welt. Unter anderem hatten auch mehrere internationale Organisationen versucht mit dem Panchen Lama und seiner Famillie Kontakt aufzunehmen. Die VR China verwehrte dies jedoch generell und der derzeitiger Aufenthaltsort und Zustand derer ist gänzlich ungekannt.
Einflussnahme Chinas auf die Bestimmung des Dalai Lama?
Wie oben beschrieben trägt der Panchen Lama eine wichtige Rolle zur Bestimmung des Dalai Lamas. Aus diesem Grund wird vermutet, dass die VR China mit dieser Maßnahme ihren Einfluss darauf ausbauen wollte. Gestützt wird diese These durch die Einsetzung des Jungen Gyaincain Norbu als Panchen Lama am 8. Dezember 1995. Obgleich dieser nur durch den Dalai Lama anerkannt werden kann, wurde dieser nach einem Ritus aus dem 18. Jahrhundert (Ziehung aus einer goldenen Urne im Jokhang in Lhasa) zum Panchen Lama erhoben. Zwar stimmte ein Teil des tibetischen Klerus zu, von den meisten Tibetern wird dieser jedoch nicht anerkannt. Zu erkennen ist dies auch daran, dass in den meisten tibetischen Klöstern entgegen der Tradtion keine Bilder des 11. Panchen Lama zu finden sind. Gyaincain Norbu lebt nicht wie tradtionelle im Tashilhunpo-Kloster in der Region Xigazê sondern in der chinesischen Hauptstadt Peking.
Bis heute gibt es zwei Positionen, welcher der beiden nun der “echte” Panchen Lama sei. Die Mehrheit der Menschen sieht im Vorgehen der Regierung Chinas einen Eingriff in die Religionsfreiheit der Tibeter, die es nach internationalen Standards auch beinhaltet, dass die religiösen Würdenträger selbst besetzt werden können. Zahlreiche internationale Organisationen setzen sich für die Freilassung von Gêdün Qoigyi Nyima und dessen Familie ein.
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